Nachrichten aus der Gemeinde

Bischof und Priester der Diözese beten für Missbrauchsopfer

In einem liturgischen Bußakt und einer Vergebungsbitte gedachte Bischof Gebhard Fürst am Montag, 29. März, im Rottenburger St.-Martins-Dom der Opfer sexuellen Missbrauchs innerhalb und außerhalb der Kirche. Vor etwa 150 Priestern aus der ganzen Diözese, die wie jedes Jahr zu Beginn der Karwoche zur so genannten Chrisam-Messe nach Rottenburg gekommen waren, betonte der Bischof seine Trauer, seine Scham für die Täter und sein tiefes Mitgefühl mit den Opfern.

 Hier sehen Sie auf der Website der Diözese Rottenburg-Stuttgart den Video-Beitrag über den Bußakt im Rahmen der Chrisammesse im Dom St. Martin in Rottenburg.

 „Wenn wir einen Sinn finden können in der Heimsuchung, die über unsere Kirche gekommen ist, dann den, dass wir eine noch größere Aufmerksamkeit gegenüber übergriffigem und missbräuchlichem Verhalten und eine christliche Kultur der Achtsamkeit in unserer Kirche und in unserer Gesellschaft entwickeln", sagte Bischof Fürst. Und weiter: „Dafür übernehme ich als Bischof Verantwortung."

In dem Bußritus beteten Bischof Gebhard Fürst, Weihbischof Thomas Maria Renz, der Sprecher des Diözesan-Priesterrats, der Stuttgarter Pfarrer Herbert Schmucker, sowie der stellvertretende Generalvikar der Diözese, Prälat Hubert Bour, für die Opfer sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Umfeld, in Heimen und Internaten, aber auch in Familien und im sozialen Nahbereich. Ebenso trugen sie ein Schuldbekenntnis für Priester, Ordensleute und andere kirchliche Mitarbeiter vor, die Vertrauen sträflich missbraucht hätten. Die Vergebungsbitte umfasste auch das Eingeständnis, dass „Strukturen der Kirche ein Wegschauen begünstigt und die Verantwortlichen in der Kirche leichtfertig über die Schuld hinweggesehen" hätten.

Bei der Chrisam-Messe werden die bei der Sakramentenspendung in der ganzen Diözese gebrauchten Öle einmal im Jahr in der Rottenburger Bischofskirche geweiht und durch die anwesenden Priester in die Pfarreien mitgenommen. Die Sakramente, so betonte Bischof Fürst in seiner Predigt, seien wirksame Zeichen des Heils für die Menschen, das im Alltag schon da sei und im Gelingen des Lebens und Zusammenlebens heilsam wirke. Das Handeln von Christen solle heilsames Tun für die Menschen sein, sagte der Bischof. Das gelte für Priester und Diakone ebenso wie für hauptberuflich oder ehrenamtlich tätige Laien. Deshalb verfehlten diejenigen ihr Christsein und ihren Auftrag in der Kirche, „die Unheiles in die Welt bringen und den Menschen Böses antun", sagte Bischof Fürst. Wörtlich: „Menschen zu missbrauchen, insbesondere Schutzbefohlene, Wehrlose und Schwache, ist eine verabscheuungswürdige Sünde und ein schweres Verbrechen gegen das Heilsein des Menschen und gegen Wesen und Auftrag der Kirche."

Der hebräische Name Messias bedeute ebenso wie der griechische Name Christus „Gesalbter", stellte Bischof Fürst den Bezug zu der Weihe der Öle her. Als Gesalbter Gottes habe er in dessen Geist Heillose, Verletzte und Verlorene geheilt, in sich Gefangene erlöst und Besessene von ihren bösen Geistern geheilt. Getaufte und gefirmte Christen seien nun ihrerseits mit dem „Christusöl" gesalbt und berufen, die befreiende Botschaft der Nähe Gottes zu verkünden und zu leben und Menschen aus Heillosigkeit, Gefangensein und Besessenheit zu befreien, betonte der Bischof. Mit Jesus Christus seien auch die Christen auf dem Weg der liebenden Hingabe „für die Verlorenen, die in der Anonymität Vergessenen und Verschollenen". In besonderer Weise müssten sie in diesen Tagen „auf dem Weg zu den Opfern böser Taten" sein, um zu heilen und Gottes Liebe erfahren zu lassen. Hier schlage das Herz einer diakonischen Kirche, sagte Bischof Fürst.

Quelle: Bischöfliche Pressestelle, www.drs.de