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Nachrichten aus der Gemeinde

Kinder brauchen Liebe und ein bisschen mehr... Aber nicht zu viel!

 Erste Jugendleiter der Gemeinde haben an Fortbildung zu Kindeswohlgefährdung teilgenommen. Zukünftig müssen alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, eine Schulung belegen und eine Ehrenerklärung ablegen.

In den letzten Wochen und Monaten gab es viele Meldungen über sexuelle Übergriffe innerhalb der Kirche. Um unsere Ehrenamtlichen einerseits für das eigene Verhalten und andererseits für mögliche Opfer zu sensibilisieren, haben sich bereits unterschiedliche Gruppierungen unserer Gemeinde mit dem Thema „Kindeswohl" auseinandergesetzt. Zukünftig wird es selbstverständlich sein, dass mit Kindern und Jugendlichen nur arbeitet, wer entsprechend geschult ist. Die Missbrauchsdiskussion hat uns in aller Deutlichkeit unsere Verantwortung für Kinder und ihren Schutz in Erinnerung gerufen. Zugleich wollen wir, dass unsere Ehrenamtlichen durch Wissen und persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema gestärkt werden und dass Eltern ein gutes Gefühl haben, wenn sie der Kirche ihre Kinder anvertrauen.

Was ist unter Kindeswohl, was unter Kindeswohlgefährdung zu verstehen? Wo beginnt „sexuelle Gewalt"? Auf was sollte ich in meinem Umgang mit Kindern und Jugendlichen achten? Was könnten Anzeichen für Kindeswohlgefährdung sein? Neben begrifflichen Definitionen wurden anhand von Fallbeispielen diskutiert, wie ich mich als GruppenleiterIn verhalte, wie schwierig es ist die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz zu wahren: zum Beispiel wenn Kinder ein gewaltverherrlichendes Spiel auf dem Handy spielen, ein Kind auf der Freizeit Heimweh hat und ich es trösten möchte ...

Den Ehrenamtlichen wurde aufgezeigt, was sie präventiv, aber auch im konkreten Verdachtsfall tun können. Die Jugendlichen und Erwachsenen haben am Ende der Veranstaltung die Ehrenerklärung des BdkJ unterschrieben. Dort heißt es:

 "Die kirchliche Jugendarbeit in der Diözese Rottenburg-Stuttgart bietet eine Gemeinschaft, in der Glaube, ganzheitliches Lernen und Handeln Raum finden. Wir treten entschieden dafür ein, Mädchen und Jungen vor Kindeswohlgefährdung zu schützen und den Zugriff auf Kinder für TäterInnen in den eigenen Reihen so schwer wie möglich zu machen. Der Schutz der Kinder und Jugendlichen steht für uns dabei an erster Stelle. Mit der Ehrenerklärung setzen wir uns für einen sicheren und verlässlichen Rahmen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen ein. Sie soll von allen Personen, die in der Diözese Rottenburg-Stuttgart Verantwortung in der Kinder- und Jugendarbeit übernehmen, unterzeichnet und gelebt werden."

Die Ehrenerklärung umfasst folgende Punkte:

"Ich achte und respektiere die Persönlichkeit und Würde meiner Mitmenschen. Meine Arbeit in der Kirchlichen Jugendarbeit in der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist von Wertschätzung und Vertrauen geprägt.

Ich schütze die mir anvertrauten Kinder und Jugendlichen vor körperlichem und seelischem Schaden, vor Missbrauch und Gewalt, insbesondere in der Zeit, in der ich für sie verantwortlich bin.

Ich gehe achtsam und verantwortungsbewusst mit Nähe und Distanz um. Individuelle Grenzen von anderen respektiere ich. Dies bezieht sich insbesondere auf die Intimsphäre und persönlichen Grenzen der Scham von Kindern und Jugendlichen.

Ich beziehe gegen diskriminierendes, gewalttätiges und sexistisches Verhalten, ob in Wort oder Tat, aktiv Stellung. Abwertendes Verhalten wird von mir benannt und nicht toleriert.

Ich bin mir meiner Vorbildfunktion gegenüber den mir anvertrauten Kindern und Jugendlichen bewusst. Mein Leitungshandeln ist nachvollziehbar und ehrlich. Ich nutze keine Abhängigkeiten aus.

Ich bin mir bewusst, dass jede sexuelle Handlung mit Schutzbefohlenen disziplinarische und gegebenenfalls strafrechtliche Folgen hat.

Ich achte auf Anzeichen von Kindeswohlgefährdung und bilde mir von Fall zu Fall kritisch ein eigenes Urteil. Dabei verharmlose ich weder, noch übertreibe ich. Ich weiß, wo ich mich beraten lassen kann oder bei Bedarf Hilfe zur Klärung und Unterstützung bekommen und nehme sie in Anspruch."